Justizfachwirte: Ausbildung

Die Ausbildung für Justizfachwirte/-innen dauert zwei Jahre, gliedert sich in Lehrgänge an einer Akademie und in der Praxis, an Gerichten und Staatsanwaltschaften, und wird sehr attraktiv vergütet. Besonders interessant: Du lernst in der praktischen Ausbildung viele verschiedene Einsatzbereiche kennen!

Justizfachwirt/in: Dauer der Ausbildung

Vier Tage im Ausbildungsbetrieb, ein Tag in der Berufsschule – drei Jahre lang? Nein, die Ausbildung von Justizfachwirtinnen und Justizfachwirten läuft ganz anders:

  • Die Ausbildung zur Justizfachwirtin, zum Justizfachwirt ist sehr intensiv. Dafür dauert sie nur 2 Jahre!
  • Theorie-Lehrgänge und Praxis wechseln einander ab.
  • Die Lehrgänge (jeweils 10 bis 14 Wochen) machst du an der Bayerischen Justizakademie.
  • Die Praxis trainierst du zum Beispiel in einem Amtsgericht oder Landgericht oder bei einer Staatsanwaltschaft.
Die Bayerische Justizakademie

Die Bayerische Justizakademie in Pegnitz (Oberfranken) ist eine zentrale Aus- und Fortbildungsstätte der Bayerischen Justiz. Hier werden Justizfachwirte/-innen, Gerichtsvollzieher/innen und Justizwachtmeister/innen ausgebildet. Der Justiz-Nachwuchs lernt nicht nur auf dem Campus, sondern wohnt hier auch während der Lehrgänge.

Justizfachwirt/in: Inhalte der Theorie-Lehrgänge

An der Justizakademie in Pegnitz besuchst du drei fachtheoretische Lehrgänge. Sie bereiten dich jeweils auf den folgenden praktischen Ausbildungsabschnitt vor.

  • Du erhältst eine Einführung ins Recht: Wie funktioniert unser Recht? Wie ist ein Gesetz aufgebaut? Was bedeutet es, Recht zu haben und Recht zu bekommen? Wie läuft ein Verfahren vor Gericht ab? Warum ist das Gerichtsprotokoll so wichtig?
  • Du lernst die Abläufe in der Geschäftsstelle eines Gerichts kennen: Wie sorgst du dafür, dass ein Prozess zügig durchgeführt werden kann? Wie unterstützt du die Richterinnen und Richter? Wer muss bei einem Rechtsstreit Kosten tragen? Wie werden sie berechnet? Wie funktioniert die digitale Aktenverwaltung?
  • Du stärkst deine Kommunikations- und Teamfähigkeit.

Nach der allgemeinen Einführung in Lehrgang A beschäftigst du dich jetzt mit einzelnen Rechtsgebieten:

  • Insolvenzrecht. Insolvent bedeutet: Jemand ist zahlungsunfähig oder überschuldet, kann also seine Rechnungen und Schulden nicht mehr begleichen. Das Insolvenzrecht soll Gläubigern helfen, ihr Geld (zumindest teilweise) zu erhalten und Schuldnern, ihre Verpflichtungen zu erfüllen und nach einigen Jahren schuldenfrei neu zu starten.
  • Familienrecht. In Familien, zwischen Ehepartnern und unverheirateten oder geschiedenen Elternpaaren gibt es vielfältige Rechtsbeziehungen, zum Beispiel die Eheschließung und auch die Scheidung. Bei getrennt lebenden Eltern, in Patchwork- und Regenbogenfamilien tauchen oft rechtliche Fragen auf: Wer hat das Sorgerecht? Wer muss wie viel Unterhalt zahlen?
  • Weitere Themen sind unter anderem Betreuungs- und Unterbringungsrecht, Immobilienrecht und Angelegenheiten des Grundbuchamts, Handels- und Gesellschaftsrechts sowie des Nachlassrechts.

Und du baust auch wieder persönliche Stärken auf und aus, diesmal

  • Konfliktmanagement und Organisation

Im Lehrgang C dreht sich alles ums Strafrecht. Darin ist festgelegt, was eine Straftat ist (Beispiele: Beleidigung, Diebstahl, Geldfälschung, Körperverletzung) und wie sie bestraft wird (zum Beispiel mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe).

  • Du machst dich mit dem Strafrecht vertraut und lernst, wie ein Strafprozess abläuft.
  • Du arbeitest dich in Abläufe der Geschäftsstellen der Staatsanwaltschaft und in Strafsachen ein.
  • Du lernst, wie du ein Strafprotokoll erstellst.
  • Du berechnest Vergütungen, zum Beispiel für Sachverständige.

Außerdem trainierst du wieder wichtige Soft Skills, nämlich

  • Zeitmanagement und Motivation.

Justizfachwirt/in: praktische Ausbildung

In den praktischen Ausbildungsabschnitten gewinnst du Einblicke in verschiedene Gerichte und Abteilungen. Dein Einsatz dauert jeweils drei bis acht Wochen. Du lernst die Arbeitsabläufe kennen, besuchst Gerichtsverhandlungen und eine Justizvollzugsanstalt und begleitest zum Beispiel eine Richterin oder einen Gerichtsvollzieher zu Terminen vor Ort. Zu deinen Stationen gehören

  • ein Amtsgericht und ein Landgericht (Abteilung für bürgerliche Rechtsstreitigkeiten; Abteilung für Strafsachen)
  • eine Staatsanwaltschaft (Ermittlung und Vollstreckung)
  • ein Vollstreckungsgericht und
  • ein Familiengericht.

Außerdem bekommst du Einblicke ins Betreuungs-, Register-, Nachlass-, Insolvenz- und Zwangsversteigerungsgericht sowie ins Grundbuchamt.

Eine junge Frau guckt hinter einer dicken roten Gesetzessammlung hervor.

Anna macht zurzeit ihre Ausbildung an der Bayerischen Justizakademie in Pegnitz. Sie hat sich nach ihrer Ausbildung zur Bürokauffrau für die Justiz-Karriere entschieden. Warum? Das erfährst du hier: zu Annas Bildern & Story .

Justizfachwirt/in: Ausbildungsvergütung

  • Während der Ausbildung verdienst du mehr als 1.300 Euro brutto.
  • Zu deinem Anwärter-Grundbetrag kommen vermögenswirksame Leistungen und, wenn du verheiratet bist und/oder Kinder hast, ein Familienzuschlag.
Jetzt bewerben
für den Ausbildungsstart 2022

Noch bis 31. Mai 2021 kannst du dich für die Ausbildung in der Justiz (2. Qualifikationsebene) bewerben. Die wichtigsten Infos & Links:

Justizfachwirt/in: Bewerbungsinfo

Beamtenausbildung: Besonderheiten

Vor dem Start in die Ausbildung

  • steht das zentrale Auswahlverfahren. Der Landespersonalausschuss (LPA) führt es einmal jährlich durch. Wenn du gut abschneidest, wirst du zum Vorstellungsgespräch eingeladen.

Während deiner Ausbildung bist du

  • nicht Azubi, sondern Anwärterin oder Anwärter im Vorbereitungsdienst.
  • Beamtin oder Beamter auf Widerruf. Du wirst förmlich ernannt und bekommst eine Urkunde.

Schließt du den Vorbereitungsdienst erfolgreich ab,

  • wirst du in aller Regel übernommen und
  • bekommst deinen ersten Einsatzort zugewiesen.
Kurz erklärt: Beamtenstatus

Als Anwärterin oder Anwärter bist du verbeamtet auf Widerruf.

Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung leistet du als Beamtin oder Beamter auf Probe Dienst.

Wenn du dich in einem festgelegten Zeitraum (regelmäßig zwei Jahre; kann im Einzelfall aber auch kürzer oder länger sein) im Beruf bewährst, wirst du Beamtin oder Beamter auf Lebenszeit und genießt alle Vorteile der Verbeamtung .

„Die Ausbildung hat mir so viele Möglichkeiten eröffnet. Die Karriereleiter führt weit nach oben.“
Stefanie, Justizfachwirtin (Mach dir ein Bild: zu Stefanies (Foto-)Story)
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